Ein Zimmer in Alsancak
Das Zimmer liegt in Alsancak, ein paar Straßen vom Kordon entfernt, wo die Izmirer abends
am Wasser sitzen und der Golf langsam die Farbe von altem Kupfer annimmt. Drinnen ist es still. Zwei Sessel,
ein Fenster, eine Uhr, auf die niemand schauen muss. Mehr braucht es nicht, damit ein Mensch zu erzählen beginnt.
Seit 2010 kommen hierher Menschen, die Deutsch sprechen: Ausgewanderte und Zurückgekehrte, Paare, deren Liebe
zwischen zwei Ländern pendelt, Eltern, deren Kinder in einer anderen Sprache träumen als sie selbst. Manche kommen
wegen einer einzigen Frage, andere bleiben ein Jahr. Und viele sitzen inzwischen nicht mehr im Sessel mir gegenüber,
sondern vor einem Bildschirm in Hamburg, in Antalya oder in Wien. Das Gespräch ist dasselbe geblieben.